Beeehditorial Dezember 2015 – Erst kürzlich gelesen: Alghero rüstet sich für den Jahreswechsel und gehört zu den zehn besten Städten Italiens für Silvester. Tatsächlich plant man – im nunmehr zwanzigsten Jahr – ein ausgelassenes Fest mit Live-Konzert und Feuerwerk.

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Alghero – wie wäre es mit diesem traumhaften Blick zum Jahreswechsel?

Die Restaurants sind für das “Cap D’Any”, wie die katalanisch geprägte Stadt ihr “Capodanno” nennt, mit Menüs und Festprogramm ausgerüstet, die Top-Adressen bereits gut gebucht. Für den gesamten Dezember sind Veranstaltungen geplant: Musik, Theater, Kunst, Straßenaktionen, Museen sind geöffnet (am 8. Dezember öffnet z. B. das “Museo della Città” mit Exponaten zur Stadtgeschichte bis in die Nuraghenzeit).

Das soll nur der Anfang sein. Die Stadt Alghero hat sich einen “turismo tutto l’anno”, also ganzjährig, auf die Fahnen geschrieben.

Nach Silvester geht es hier weiter: Am 31. Januar der Motocross Internazionale (Quelle: notizie.alguer.it), vom 4.-9. Februar ist der Carnevale Algherese, zu Ostern die Settimana Santa … Die Zeit zwischen diesen Terminen füllt man einfach mit den Aktionen unter dem Motto “mondo rurale” rund um Alghero.

Aber auch in Cagliari oder bei Rundreisen und Entdeckungstouren in anderen Teilen der Insel wird der Reisende fündig.

Oder doch lieber Cagliari? Perfekte Stadt für die Nebensaison

Oder doch lieber Cagliari? Perfekte Stadt für die Nebensaison

Sardinien im Winter: ordentlich was los

An Programm fehlt es auch im Winter nicht. Gerade erst sahen wir den Hinweis für eine Kunst- und Kulturtage “Tra arti e cristalli” in den Minen von Montevecchio, mit einem Programm für den 6. und 8. Dezember.

Wer genau hinguckt, wird feststellen, dass gerade jetzt quasi überall irgendetwas veranstaltet wird. Die Einheimischen wollen sich schließlich auch nicht langweilen.

Der “Normal-Tourist” mag an solchen Anlässen zwar ein Fremdkörper sein, aber wer authentisch urlauben will, muss da durch.

By the way: Eine Winterreise sei auch allen, die sich nach dem wiederholten Sommerurlaub mit dem wahnhaften Auswanderungsgedanken tragen, wärmstens empfohlen. Bleibt auch etwas länger. Ein paar Wochen. Erst jetzt merkt ihr, ob ihr wirklich zur Insel und ob die Insel zu Euch passt.

Unpassend allerdings, dass Ryanair erneut in den Wintermonaten viele seiner Flugverbindungen nach Sardinien (kurioserweise allen voran Alghero-Fertilia – AHO) gestrichen hat. Auch mit schöner Regelmässigkeit droht man, das im Sommer so zu belassen – Preisverhandlungen, das gibt sich wieder.

Dem Vorausplaner ist das bisweilen unangenehm, dem abenteuerlustigen Reisenden völlig wumpe.

In der pecora-nera-Redaktion lächelt man nur milde und fühlt seinen Einfallsreichtum herausgefordert. Was soll man machen, wenn da noch Arbeit auf dem Festland zu tun ist, man aber die Insel gerade jetzt so klasse findet?

Unser schwarzschafiges Motto:

Wo ein Wille, da ein Weg auf die Insel

Unser Lieblings-Flieger: der Nebensaison-Brummer

Unser Lieblings-Flieger: der Nebensaison-Brummer

Ok, mag sein. Alle, die sich jetzt in den Flieger setzen wollen, um von der Haustür “mal schnell” auf die Insel zu jetten, geraten spontan an ihre Grenzen. Da sind Brasilien und Thailand besser angebunden.

Direktverbindungen gibt’s noch von Frankfurt Hahn (HHN) nach Cagliari (CAG) mit Ryanair, oder von Düsseldorf (DUS) nach Olbia (OLB) mit Airberlin (das aber wirklich stilecht und klassisch mit dem “Brummer”).

Und fertig. Sonst nix.

Das ist für alle, die gewohnt sind, ab Haustür zu fliegen, der erste Haken. Und wir geben zu: Der kann was.

Wer trotzdem wild entschlossen ist, dem hilft nur, sich in den drei großen Tugenden der Nebensaison zu üben: Entdeckerlaune, Gelassenheit und Flexibilität.

Einen Reisenden in Entdeckerlaune wird all das, was jetzt kommt, nicht schocken. Der hat zwischen Delhi und Kathmandu und im australischen Outback schon ganz andere Aufgaben gemeistert.

Mit Gelassenheit und Geduld kommst Du durch Wartezeiten, Unvorhersehbarkeiten und alle Ereignisse, die am Rand einer Reise eben so auftauchen können.

Flexibilität beginnt schon zuhause. Wenn Hamburg oder Berlin als Abflughafen nicht geht, dann suchen wir eben Alternativen.

Mailand oder München – Hauptsache Sardinien

Der Dreh- und Angelpunkt, um auf die Insel zu kommen, ist Mailand. Das ist im Zweifel auch nicht der schlimmste Ort der Welt, um zu stranden.

Kunst in MXP: Porta di Milano

Kunst in MXP: Porta di Milano

Recherchiert gern mal:

  • Easyjet fliegt Milano Linate (LIN) und Malpensa (MXP) an, von letzterem weiter nach Cagliari. Die Verbindung spucken die Easys nur nicht selbst aus – wohl dem, der das weiß.
  • Oder ihr fliegt weiter mit Meridiana nach Cagliari (CAG) oder Olbia (OLB) – mehrmals täglich von/nach Mailand. Unser liebster Schaffreund fliegt das ernsthaft jede Woche. und reist dann mit der Bahn mal schlecht, mal recht über die Alpen. Komplett verrückt – aber der Mann ist nicht unglücklich.
  • Und die gute alte Alitalia fliegt von Flughäfen in Norditalien Alghero (AHO) an.
  • Ryanair fliegt z. B. ab Köln im Winter zweimal täglich nach Bergamo, ab Bergamo auf die Insel dreimal. Wenn sich da nichts Passendes findet …

Und wenn die Flugzeiten nicht direkt passen: Den Flug ab Köln haben wir schon an einem Aktionstag für schlappe 10 Euro gesehen.

Das ist so günstig, dass ein kleines Hotel oder B&B in Bergamo drin ist – ist eine hübsche kleine Stadt, in der sich der Aufenthalt lohnt. Auf dem Weg Richtung Deutschland passen die Flugzeiten erfahrungsgemäss besser.

Wartezeiten überbrücken? Wird neugierigen Menschen nicht schwerfallen. Wir lieben es, Mitreisende zu beobachten. Ist schon lustig, wenn in Mailand busy Businessmen mit dem Knopf im Ohr durch Hello-Kitty-Koffer Slalom laufen. Manche schräge Gestalten und Geschichten fliegen da durchs Kopfkino.

Und sonst? An manchen Tagen oder zu späten Reisezeiten ist es unweigerlich eine Übung in Gelassenheit und Geduld. Droht die zu scheitern, hilft nur die nächste Bar aufzusuchen oder sich das gute Buch aus dem Handgepäck zu schnappen.

Ein toller Anblick: die schneebedeckten Alpen von oben

Ein toller Anblick: die schneebedeckten Alpen von oben

Am Flughafen Malpensa gibt’s übrigens zwischen Terminal 1 und Bahnhof die “Porta di Milano”. Hier kann der Reisende nicht nur frische Nebelluft einatmen (gesunde Sache), sondern auch regelmässig Kunstinstallationen ansehen.

Schräge Alternativen für die Anreise  gibt’s auch noch. So fliegen Freunde von uns immer von Brüssel-Charleroi nach Cagliari – obwohl ihr Ferienhaus im Nordosten der Insel ist.

Ein Strand für Dich allein: Cala Brandinchi

Ein Strand für Dich allein: Cala Brandinchi

Eine Nacht in Cagliari und Frühstück im centro storico entschädigt. Dann geht es in flotter Fahrt mit dem Mietwagen über die neue SS 125, eine entspannte Mittagspause in Santa Maria Navarrese, die anschließende Gondeltour durch den Supramonte und wenn man dann noch Zeit hat (hat man meistens), ein Abendspaziergang an der menschenleeren Cala Brandinchi. Ein Traum.

Sie meinen jedenfalls, schöner kann man seinen Insel-Winterurlaub kaum starten.

Nicht zu unterschätzen: das Auto

Das eigene Auto wird kurioserweise im Winter als Reisemittel völlig unterschätzt. Aber es geht es im Winter fast genauso wie im Sommer. Und klimaverträglicher ist es auch.

Vorteil: staufrei. Nachteil: kälter. Oft auch grauer. Wer im Sommer auf der Hinfahrt einen Stopp an einem Alpensee einlegte, um gemütlich einen Kaffee in der Sonne zu trinken, fährt jetzt durch bis zum Fährhafen. Denn gerade die Alpen und Norditalien können richtiges Mistwetter haben, wo es sogar im Auto gemütlicher ist.

Die Fahrt in Italien dauert etwas länger, denn die direkte Moby-Verbindung Genua – Olbia gibt es nur in der Saison. Also ausweichen: Livorno – Golfo Aranci (corsicaferries).

Auch schön immer noch die Anreise via Korsika. Von Livorno oder Nizza geht es nach Bastia, von Toulon nach Ajaccio (die Route an die Westküste ist im Winter etwas stürmischer) oder nach Bastia. Dann einmal gemütlich durch die Insel gondeln und im Süden nach Santa Teresa Gallura übersetzen, ggf. eine Nacht in der schönen Küstenstadt Bonifacio einplanen.

Schwarzschaf-Tipps:

  • Thermoskanne Tee oder Kaffee, Kekse, oder gleich einen ganzen Picknickkorb mit Lieblingsfutter mitnehmen – Familien sind da geübt, Singles vergessen das gern mal vor lauter Aufregung
  • Wenn ihr irgendwo einkaufen müsst und leider außer dem teuren Flughafen- oder Bahnhofskiosk alles zu hat: nicht knausern. Völlig egal, wenn das Panino oder die extra dunkle Schokolade viel zu teuer sind: Sie machen glücklich, das ist wichtiger.
  • Pflichtproviant auf dem Hinweg: kleine Weinflasche oder Prosecco für ausgedehnte Zwischenstopps zur Einstimmung. Auf dem Rückweg das Sixpack Ichnusa, zum Insel-Feeling-Bewahren.

Thema Fährfahrt: Auf dem Meer ist es a… kalt. Daher …

  • Warme Sachen nicht vergessen. Freuen, wenn man das alles doch nicht braucht, weil es zufällig ein wunderschöner Wintersonnentag ist.
  • Gönnt Euch eine Kabine auf der Fähre – das Schlafen auf den Sitzen oder auf dem Boden ist im Sommer noch okay, aber im Winter echt nicht schön (auf jeden Fall eigene Wolldecke mitnehmen).
  • Wem das zu teuer vorkommt: Sieh es wie ein Hotelzimmer – die Kabinen bei Corsica Ferries sind komfortabel genug, bei Moby oder der Tirrenia muss man ein Auge zudrücken. Das relativiert den Preis aber im Kopf.
  • Die Self Service Restaurants sind in der Regel übel. Aber die à la carte-Restaurants gar nicht so teuer, wie man denkt und mit viel besserer Qualität.
  • Die Pizzaöfen werden übrigens erst angewärmt, wenn Self Service und Restaurant schon offen sind. Die gibt’s also erst gut eine Stunde später, so rund um 21 Uhr, je nach Abfahrtzeit.
Während Anreise oder Wartezeiten: Sonnengeschenke sinnvoll nutzen!

Während Anreise oder Wartezeiten: Sonnengeschenke sinnvoll nutzen 😉

Lasst Euch nicht hetzen. Nehmt es so, wie es ist. Und auch Regen oder Schnee haben ihre Daseinsberechtigung, und das kennt man von zuhause – darauf kann man sich also gut einstellen. Hier nochmal der Link zu unseren Gondelmodus-Routen in den Süden.

Und auf der Insel seid ihr mit der Karre flexibel – was in der tiefen Nebensaison für schnelle Planänderungen gar nicht verkehrt ist.

Das Henne-Ei-Problem

Zum Schluss sei noch eins gesagt: Die Zahl der Direktverbindungen ist ja nur so dünn, weil auch die Zahl der reisewilligen Touristen so mickrig ist. Das ist ein kleines Henne-Ei-Problem. Und die lassen sich bekanntlich nur dadurch lösen, dass man Fakten schafft und mal ein Küken schlüpft.

Das Prinzip ist ganz einfach: Stetige Nachfrage erhöht die Bereitschaft zur Veränderung.

Nur, wenn im Dezember, Januar, Februar auch mal Leute an der Tür klopfen, wird irgendwann mal einer da sein, sie zu öffnen.

In diesem Sinne wünscht eine fröhliche und entspannte Reise,

Euer pecora nera

P.S. – Falls Du allein nicht weiter kommst: Das schwarze Schaf hilft Dir gern, speziell in der Nebensaison ist ja manchmal “gewusst wie” wichtig. Schreib an beeeh@pecora-nera.eu, dann macht es Dir ein Angebot, das Du nicht ablehnen kannst 😉

P.P.S. – In Bälde gibt’s auch eine Möglichkeit, schwarzschafige Reise-Beeehratung online anzufragen. Mehr dazu demnächst auf dieser Welle …

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