Beeehditorial Juni 2014 – Gestern stand das schwarze Schaf auf dem Nuraghen Aleri in der Nähe der Marina di Tertenia (unser heutiges Fotomodell, weitere Aufnahmen am Ende des Artikels), und blickte auf den fast menschenleeren Strand hinunter. Auf Sardinien gibt es sie noch: die Orte, an denen man auch in der beginnenden Hauptsaison weitgehend allein ist.

Nuraghe Aleri, bei Tertenia

Nuraghe Aleri, bei Tertenia

Lasst Euch gesagt sein, von Juli bis September wird das schon schwieriger, gerade rund um die zentralen Touristenorte.

Da sind die einsam im Hinterland gelegenen Nuraghen gute Rückzugsorte für alle, denen das Spektakel zu viel wird, und für die, die mal eine Auszeit vom Urlaubsprogramm oder einfach nur Zeit für sich brauchen.

Welches war eigentlich der erste Nuraghe, an dem das schwarze Schaf seine Wolle geschubbert hat? Mit Sicherheit weiß es das gar nicht mehr, aber nach langem Nachdenken (dazu hat man hier oben ja Zeit) war es wohl doch der Nuraghenkomplex in Barumini.

Schon bald aber lernte es die kleineren und abgelegenen Nuraghen kennen und lieben.  Als ein befreundetes Schaf die Nuraghenhugging-Bewegung gründete, war es sofort mit dabei.

Und es wird nicht müde, sie zu besuchen. Kennste einen, kennste alle stimmt nämlich nicht. Das schwarze Schaf kennt einen Haufen Gründe, warum man auch dem hundertsten Hinweisschild zu einem Nuraghen getrost mal folgen kann:

  1. Nuraghen sind Ruheoasen. Wenn es in der Hauptsaison überall um Party geht, Du aber partout keinen Daiquiri mehr runter kriegst, und Dir die vielen Menschen irgendwann auf die Wolle gehen, hilft der Nuraghe Dir gern mit seiner Jahrtausende alten Gelassenheit. Vorausgesetzt, Du suchst Dir nicht unbedingt einen aus, der ganz oben im Reiseführer oder gar dem Landausflugsprogramm für die Reisenden der Aida steht.
  2. Nuraghen sind eine echte Rarität: Sie gibt es nur auf Sardinien. Auf der Insel sind sie viele – und auf der Welt stehen sie allein da.
  3. Nuraghen sind extrem vielseitig: Es gibt sie in 7.000-facher Ausfertigung. Wohnen, Wehren, Wachen – das sind die drei wesentlichen Bestimmungen. Steine und Bauweise unterscheiden sich je nach Region, Alter und Verwendungszweck des Turms. Wer sämtliche Unterschiede herausfinden möchte, braucht vermutlich ein ganzes Leben.
  4. Nuraghen sind ein idealer Guide durch die Insel.Sie führen Dich auf unbekannte Wege. Die meisten Nuraghen stehen irgendwo im Nirgendwo, sind kaum beschildert und bekommen sehr selten Besuch. Hangel Dich von Nuraghe zu Nuraghe, und Du hast eine Reiseroute, die kein anderer Tourist fährt.
  5. Viele Nuraghen waren Wachttürme und Ausgucke – daher hat man von ihrer erhöhten Position in vielen Fällen einen fantastischen Rundumblick und sieht die Umgebung aus einem ganz anderen Blickwinkel.
  6. Bei Regen bietet der ein oder andere Nuraghe einen tollen Unterschlupf.
  7. Bei Sonne findet man in vielen Nuraghen in der Regel einen kühlen Schattenplatz.
  8. Nuraghen sind ideale Kindergärtner: Trantütige oder nervige Zwerge sind mit der Aufgabe, sich zu überlegen, wofür denn dieser Turm mal da war und wer hier gewohnt hat, sowie alle Kammern zu entdecken, je nach Größe des Nuraghen so einige Zeit beschäftigt.
  9. Nuraghen kann man umarmen. Die Anhänger des Nuraghenhugging bilden eine kleine feine Gemeinde, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Nuraghen der Insel zu umarmen. Wem kalt ist, der wärme sich an ihrer Sonnenseite (aufpassen dass man nicht wie eine Pizza gut durchbackt). Sie Sie sind höchst meditative Orte und tragen in ihren Steinen die Geschichte von Jahrtausenden. Wer sich 10, 20 Minuten Zeit an der Nuraghenwand nimmt, schafft es sogar, davon ein wenig  in sich aufzunehmen.
  10. Nuraghen inspirieren – zum Beispiel zu Reimen.

 

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

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