Fette Beute: Kaktusfeigen

Fette Beute: Kaktusfeigen

Spätsommer. Die feigen Früchte am Kaktus mit den tollen großen Ohren sind erntereif. Die Kaktusfeigen und gibt es fast überall am Mittelmeer und auch auf Sardinien.

Die “Fichi d’India“ leuchten ab September kräftig orange, manche auch pink oder hell orange. Juhuuuu, auf geht’s!

Wer sie ernten will, sollte sich dem Gewächs jedoch niemals ohne ernst gemeinte Bewaffnung nähern. Und sich ja nicht hinreißen lassen, die Kaktusfeigen mit den bloßen Händen zu pflücken.

Denn dummerweise haben Kakteen Stacheln. Und der Kaktusfeigenkaktus hat ganz fiese, winzig kleine, die man nicht sieht (neben den sichtbaren versteht sich). Auch an den Früchten!

Wo finde ich Kaktusfeigen?

Schlicht und ergreifend: Quasi überall.

Die Kakteen stehen zu Hauf am Straßenrand, an Wiesen, an Feldrändern. Einfach: Augen auf! In allen Regionen der Insel. Besonders früh sind die Kaktusfeigen im Oristanese, in der Ogliastra und im Cagliaritano dran.

Wir haben sie erst kürzlich an der Landstraße 129 von Nuoro in Richtung Ostküste geerntet. Dann im Oristanese in der Nähe von  Cabras auf dem Weg zum Strand Is Arutas.

Besonders schön, vor allem weil man nebenher noch in die ein oder andere Weinernte stolpern kann, ist die Barbagia Mandrolisai, rund um den Konvent San Mauro bis Ortueri. Und am Lago Omodeo. Und bei Badesi. Und und und …

Egal wo: Fahre niemals unvorbereitet hin!

Hier die schwarzschafigen Erntehilfetipps:

Ernte der Kaktusfeigen: die Ausrüstung

Die unkaputtbare Wahrheit ist: Keine Kaktusfeigenernte ohne Stacheln in der Haut. Es geht nur darum, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Kaktusfeigen in der Barbagia di Mandrolisai

Kaktusfeigen in der Barbagia di Mandrolisai

Du brauchst: Zeitungspapier, wahlweise einen kräftigen Zweig, ein Transportbehältnis (bewährt: Papiertüte, Eimer), einen Kühlschrank (den muss man nicht zur Ernte mitnehmen), Gabel oder Spieß, scharfes Messer.

Von Anfang bis Ende wichtigst: eine gute Pinzette.

Zur Ernte nimm niemals die bloßen Finger, sondern vorzugsweise Zeitungspapier oder einen Ast mit einer Gabel am Ende. Daran bleibt nichts hängen und sticht nichts, und die ersten Stacheln gehen schon beim Pflücken runter. Selbst Gummihandschuhe schützen nicht vollständig.

Mit einer kleinen Drehung zupfe ich vom Riesenkaktus in unserem Garten die Feige vom Ohr, halte sie weit weg vom Körper und rubbele direkt vor Ort im Papier so viele Stacheln wie möglich ab. Früchte in die Papiertüte oder den Eimer. Weiterernten.

Als ich ein paar Feigen gesammelt habe, bewege ich den Eimer (geht auch super mit der Papiertüte) vorsichtig hin und her, damit sich die Früchte aneinander reiben und weitere Stacheln verlieren.

Dann den Behälter nochmal auf trockenem Untergrund (Teer, Sand, Granit) leeren – bei Wind gucken aus welcher Richtung er kommt – und die Früchte (Hände wieder mit der Zeitung schützen) auf dem Boden rollen. Dann wieder einsammeln.

So gehen hartnäckige Stacheln ab. Natürlich niemals alle. Und seid sicher: Hat man vielleicht keine Stacheln an den Händen, dann eben in den Füßen, die unvorsichtigerweise in Flipflops steckten und ein paar herangewehte Stächelchen abbgekommen haben.

In der Küche

Ist die Ernte halbwegs stachelfrei überstanden, setzt vermutlich erstmal dringenderweise die Pinzette ein. Ich hab es irgendwie geschafft, mich rückwärts in den Kaktus zu bewegen und habe jetzt Stacheln in der Hose und der darunterliegenden Haut am Po. Und in den Füßen. Und an den Händen. Prima.

Die feige, äh, Feigen-Beute kommt aber eh erstmal in den Kühlschrank und bleibt dort für ein paar Stunden. Das ist wichtig, denn werden die Früchte sofort und am besten noch sonnenwarm gegessen, gibts garantiert Durchmarsch in der Körpermitte.

Kaktusfeigen in der Abendsonne

Kaktusfeigen in der Abendsonne

Nächster kniffliger Schritt: Schälen.

Immer noch gilt: Auf keinen Fall mit bloßen Händen anfassen! In der Küche sind nun aber Gummihandschuhe ausreichend. Wasser ist übrigens ebenfalls kontraproduktiv – das wirkt wie ein Magnet, dann klebt jeder Stachel an der Hand.

Überhaupt: Stacheln werden ab sofort ignoriert.

Ich lege die Feige in einen Teller (in Holzbrettern bleiben Stacheln stecken!), steche mittig mit der Gabel hinein, um sie zu fixieren, schneide die Enden ab und mache der Länge nach einen Schnitt.

Jetzt lässt sich die Außenhaut mit der Messerschneide (ein scharfes, sardisches Hirtenmesser ist hier echt hilfreich!) oder einem Esslöffel vorsichtig anheben und von der Frucht lösen.

Mit Gabel und Messer und einiger Vorsicht rolle ich die Frucht dann langsam aus ihrer Schale – hier ein Bild, wie das in der Praxis aussieht (Grazie, Mariella!).

Ich lege sie beiseite in einen anderen Teller. Ich hab sogar igendwie geschafft, die geschälten Kaktusfeigen nicht mit dem Teller und mit Sicherheit darin befindlicher Stacheln, in Berührung zu bringen. Für Anfänger empfiehlt sich, ein paar „Übungsfeigen“ mehr zu pflücken.

Kaktusfeigen – vielseitig verwendbar

Im Inselinneren kocht man aus den Kaktusfeigen „Sa Sapa“ oder „Saba“ – ein Zwischending aus Konfitüre und Sirup, oft auch aus Trauben hergestellt.

Die Kaktusfeige ist die Grundzutat für das „Pane ‚e Sapa„. Zu bekommen im Inselinneren (z. B. auf vielen Herbstfesten in der Barbagia), in jedem guten sardischen Spezialitätengeschäft. Und: ein super Trekking-Energielieferant für die aktive Saison!

Sapa kombiniere ich wahnsinnig gern mit Wildgerichten (mal was anderes als die übliche Preiselbeersauce) oder als Beigabe zu einem guten Steak. Ein schönes Rezept findet ihr zum Beispiel auf dieser privaten Seite (in italienischer Sprache).

Am liebsten mag ich das folgende Gericht (das allerdings aus Mallorca und nicht aus Sardinien stammt: Kaktusfeigen mit Schinken in Blätterteig.

Dazu umwickelt man eine geschälte Feige mit Schinken (ich nehme vorzugsweise kräftigen prosciutto crudo aus dem Gennargentu), dann mit Blätterteig, gibt sie in den vorgeheizten Ofen (Wie viel Grad? Keine Ahnung, heiß eben…) – und backt sie, bis sie goldbraun sind und der Blätterteig fertig ist.

Als Nachspeise futtert sie das schwarze Schaf gern gekühlt auf einem Ricotta-Honig-Bett. Oder pur und direkt aus dem Kühlschrank an warmen Tagen als leichte Nachspeise.

Die Entstachlung des Menschen

Man gebe sich nicht der Illusion hin, das Ganze völlig stachelfrei zu schaffen. Wenn doch – Chapeau!

Die Pinzette wird immer mal wieder benötigt, immer wieder piekt es irgendwo fies. Üblicherweise dauert die gesamte Entstachlung insgesamt mehrere Tage …

Selbst als ich glaube, alle Ministacheln erwischt zu haben, meldet sich nach drei Tagen noch eine, die sich noch heimlich unter die Haut gebohrt hat.

Eine sogar im kleinen Zeh… Verrückt, wo die Viecher überall hinfliegen. Die Piekser tun nicht richtig übel weh, sie sind nur unangenehm.

Beim Essen ist die Sorge weitgehend unbegründet: Mit einzelnen Kleinststacheln kommen Mundschleimhäute, Speiseröhre und Magen deutlich besser klar als die menschliche Oberfläche. Drin wenden würde ich die Früchte trotzdem nicht …

Aber: So eine frische kühle Kaktusfeige ist den ganzen Aufwand wert und macht einen Ausflug ins Hinterland gleich noch ein bisschen lustiger.

*schlurps*

(Artikel zuerst veröffentlicht im September 2011)

10 Comments

  1. Sabine

    15. September 2011 at 18:02

    Ein schöner Bericht über die Ernte! Mein sardischer Nachbar hat mir einen kleinen Trick verraten wie man fast stachellos ernten kann. Man nehme dazu einen Mirtozweig , stelle sich gegen den Wind und wische damit über die Stachelfeige…. Schon hat man die meisten Stacheln entsorgt! Es funktioniert!! Ansonsten, Kompliment für Eure schöne Internetseite! Weiter so

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    • admin

      16. September 2011 at 12:39

      Vielen Dank! Das mit dem Mirtozweig versuch ich gleich beim nächsten Feigenkaktus, der mir unter die Finger kommt!

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  2. Jörg

    4. Oktober 2011 at 12:57

    Hätte ich doch den Beitrag schon etwas früher gelesen! So aber habe ich ziemlich Lehrgeld bezahlt!
    Nach dem ich viele, wunderschöne Bilder vom Sonnenaufgang geknipst hatte, brachte ich meiner Frau ein paar fichi d’india ins Wohnmobil zurück.
    Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die haben nicht nur die grossen, von weitem sichtbaren Stacheln. Fast schon geschockt reagierte dann aber meine Frau. Sie wies mich dann auf die Haarfeinen, kaum sichtbaren Stacheln hin. Zum Glück hab ich die Feigen nur mit zwei Fingern angefasst. Interessanterweise habe ich die feinen Stacheln, die z.T. pelzartig in meinen Fingern steckten anfangs gar nicht gespürt.
    Unter einer sehr hellen Lampe, einer guten Pinzette und viel Geduld, konnte ich dann so ziemlich alle Härchen wieder us der Haut zupfen, ohne weitere „Nachwehen“.
    Natürlich zerbrachen wir uns danach den Kopf, wie wir die Feigen entstacheln. Die Idee kam uns dann etwas später, am Strand von Berchidda, nördlich von Orosei. Übrigens ein traumhaft schöner Strand!
    Zum Entstacheln benutzten wir die braunen Kugeln aus Seegras (oder aus was die auch immer sind), nahmen die Feigen mithilfe von einigen Lagen Küchenpapier in die Hand und rieben sie rundum sauber. Wichtig: auf Windrichtung achten 😉 Hat super funktioniert.
    Der Aufwand lohnt sich aber allemal, insbesondere wenn man den Geschmack von voll reif geernteten Kaktusfeigen mit dem von auf dem Markt gekauften vergleicht. Da liegen Welten dazwischen!

    PS: Auch von mir ein grosses Kompliment zu der ausgezeichneten Internetseite. Bin immer wieder mal hier um neues und spannendes zu lesen. Waren im September zu zweit mit WOMO 3 Wochen auf Sardinien und bin schon wieder am Planen, um im nächsten Jahr, anfangs Oktober mit dem Fahrrad die Insel zu erkunden. Wäre dann das 7. mal auf Sardinien.

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  3. gerd hans hermann

    14. August 2012 at 19:13

    Wer immer versucht hat die Kaktusfeige zu ernten, hat es mindestens eine lang Woche bedauert.
    Es ist praktisch unmöglich, die kleinen Stacheln zu vermeiden.
    Mein Zuhause ist umgeben von Kakteen und die Feigen locken.
    Ich habe eine Alternative gefunden: mein Nachbar, der Bauer, kennt sich aus mit den Dingern. Er erntet, seine Frau bearbeitet und ich konsumiere. Wein gegen Kaktusprodukt. Prost!

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  4. Bernhard

    10. März 2017 at 11:22

    Tolle Seite, man fühlt sich sofort wieder nach Sardinien versetzt! Mich würde interessieren wo man „Fichi d’India“ als Pflanze erwerben kann, bzw. ob diese Kakteenart im mitteleuropäischen Raum überhaupt wächst! LG

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    • nicole

      10. März 2017 at 11:49

      Hallo! Die Fichi d’India kann man je nach Saison im gut sortiereten Gartenmarkt in der Sukkulentenabteilung kaufen. Allerdings sind die dort in der Regel kleiner und etwas weniger robust. Sie lassen sich tatsächlich besser selbst ziehen. Falls du also beim nächsten Mittelmeerurlaub mit dem Auto da bist, ein oder zwei der herumliegenden Blätter (am besten welche, die schon leicht ausgetrieben haben) vorsichtig in einen Karton legen und gut mit Zeitungspapier abdecken – sonst verteilen sich die Stacheln im ganzen Kofferraum. Vielleicht auch noch beim Zoll erkundigen, ob man das darf 😉 … ob er dann überlebt – das hängt wohl vom Standort ab. Mildes Klima (gibt ja auch in Nordeuropa ein paar Regionen in denen es wärmer ist als anderswo), möglichst geschützt und viel Sonne. Tendenziell würde ich sagen, das ist draußen eher schwierig. Drinnen aber dürfte er sich sehr wohl fühlen! Ein Freund hat einen anderen Kaktus „exportiert“, der ist riesig geworden.

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  5. Gerhard Bauer

    19. September 2017 at 13:10

    Danke für diesen Bericht. Das hat mir sehr geholfen, die Kaktusfeigen, die ich von Sardinien mitgebracht habe, zu verarbeiten.
    Ich habe Marmelade aus den Feigen gekocht, die sehr flüssig geworden ist, und eher zu einem Sirup tendiert. Doch vielleicht ist mir unwissentlich eine Zubereitung von „Sa Sapa“ gelungen.
    Ich habe versucht, im Internet etwas über „Sa Sapa“ zu finden. Hab leider nichts gefunden. Wer weiß, wo es Infos dazu gibt?

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    • nicole

      19. September 2017 at 14:14

      Hallo! Am ehesten findet man etwas in italienischer Sprache, hier gibt es ein Rezept – vielleicht kommt man da mit dem Google Translator weiter: http://www.profumiesaporidellamiacucina.it/?p=223 … Eine etwas weiter verbreitete Form der Sapa wird aus dunklen Trauben gemacht.

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  6. Sigrid Hering

    19. September 2017 at 16:01

    Ich freu mich schon, deine schwarzschafigen Tipps in die Realität umzusetzen. Bisher bliebe es meinerseits bei begehrlichen Blicken angesichts der köstlichen Früchte.
    Danke 🙂
    Sardegna ich komme 🙂

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  7. Nobby

    19. September 2017 at 18:19

    Das Problem mit den Stacheln in Händen und Füßen (nie mehr Flip-Flops bei der Kaktusfeigenernte) hatte ich auch, zunächst mal grob mit der Pinzette die Stachel-Büschel entfernt, danach mit dem Reparaturklebeband Hände und Füße abgetupft. Darin bleiben die kleinen miesen Stacheln hängen.🌵

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