Glückliches Sardinien: Wenn Paolo Laconi träumt

5. Juli 2013 | Von | Kategorie: Geschichten, Kunst, Kurioses
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Bunt und kantig. Ursprünglich und progressiv. Verträumt und real. Authentisch und sarkastisch. Das ist die Kunst von Paolo Laconi.

Der sympathische Künstler aus Cagliari schafft es, diese scheinbaren Gegensätze so auf die Leinwand zu setzen, dass sie sich für den Betrachter oft erst bei genauerem Hinsehen erschließen – oder gar keine mehr sind.

Denn das ist auch gleich das Erstaunliche an Paolo Laconis Arbeiten, das uns so gefällt: Da ist nur ein scheinbarer Widerspruch. Irgendwie schafft er es, die alten, echten Traditionen mit der Neuzeit und ihren Auswüchsen, wie dem Tourismus, zu versöhnen.

Detail aus "ultima cena", dem letzten Abendmahl (Copyright Paolo Laconi)

Detail aus „ultima cena“, dem letzten Abendmahl (Copyright Paolo Laconi)

Er hat dabei keine Berührungsängste und versetzt die Beatles, Einstein und sogar das letzte Abendmahl Christi nach Sardinien. Er verpasst den Jüngern Turnschuhe, Socken und eine Fernbedienung für den Fernseher, malt Jesus ein Handy ans Ohr … Und von wegen nur Brot: porcetto arrosto steht auf dem Tisch.

Das Kuriose: Alles fügt sich so natürlich zusammen, als gehöre es wirklich so und die Szene habe tatsächlich so auf Sardinien stattgefunden.

Bei manchen Werken kann man sich lebhaft das schelmische Grinsen vorstellen, das dem Künstler ins Gesicht steht, wenn er die weiße Fläche auf seine Weise mit Farbe füllt.

Träume auf Leinwand 

Paolo Laconi träumt. Und schickt auch den Betrachter auf eine Reise.

Acrobata inammorato (Copyright Paolo Laconi)

Acrobata inammorato (Copyright Paolo Laconi)

So haben die Menhire aus Laconi keine Gesichter. Auf dem Bild des namensgleichen Künstlers schon. Prompt denkt man an die Statuen auf den Osterinseln und findet wieder einmal ein Stück weite Welt auf Sardinien.

Viele Details, die er malt, sind Kinder seiner Fantasie. Die Häuser, zwischen denen der „verliebte Akrobat“ („acrobata inammorato“) balanciert, und die neugierige Menschenmenge stammen aus keinem wirklichen Ort. Aber man glaubt auch hier wieder, das Ganze spiele sich jetzt gerade irgendwo in der sardischen Realität ab.

Und dann sind da die Bilder, die so sehr aus der Wirklichkeit stammen (eines unserer Lieblingsbilder ist „Notte Stellare„, das einen Schäfer im Supramonte mit seinen Schafen zeigt) weil sie schlicht und ergreifend die tiefe Liebe zur Insel widerspiegeln.

Inspiration Mamuthone 

Pecora à la Mamuthone - boooh! (Copyright Paolo Laconi)

Pecora à la Mamuthone – boooh! (Copyright Paolo Laconi)

Paolo Laconi hat sozusagen die gleiche Vergangenheit wie das schwarze Schaf: Eine Reise in das Dorf Mamoiada und der eindrucksvolle Tanz der Mamuthones e Issohadores hat auch ihn inspiriert.

Hier hat Paolo Laconi seinen heutigen Stil gefunden. Die Gesichter auf seinen Bildern sind den kantigen Masken des Mamuthone nachempfunden.

Die Ernsthaftigkeit der Maske schafft in den bunten, fröhlichen Bildern einen Kontrast und gleichzeitig schaffen die Farben eine liebliche Atmosphäre.

Und das, wo man doch den Sarden so viel Melancholie nachsagt (von der ja auch die Mamuthones nicht frei sind). Das harte, unerbittliche Leben in Entbehrung und Anstrengung, mit der ewig dunklen Vergangenheit – all das ist in Laconis Bildern erfreulich unterrepräsentiert.

Sympathisch sind alle seine Figuren. Es sind – und auch das ist typisch sardisch – gute, ehrliche Menschen, die mit offenem Herzen und Häusern und einem kantigen „Alles ist gut so, wie es ist“-Gesicht ihr Leben leben und in der Liebe zu ihrem Land und ihren Traditionen aufgehen.

Und apropos Gesicht: Auch ein Schaf à la Mamuthone kommt uns irgendwie natürlich und selbstverständlich vor. Auch, wenn es auf Laconis Bildern eher „Boooh“ blökt, und nicht „Beeeh“.

Der Mond, die Sonne, das Huhn, die Gesichter … und das blökende Schaf  

Damit wären wir bei den wiederkehrenden Elementen in Laconis Bildern. Auf jedem Bild des Künstlers finden sich die Sonne und das Huhn – zwei Symbole der Insel Sardinien. Auf nächtlichen, morgendlichen oder abendlichen Motiven gesellt sich oft der Mond hinzu.

Sieht man Schafe, findet man oft eines, das blökt – aber immer nur eins aus der ganzen Herde. Ist da kein Schaf, macht irgendjemand anders ein erstauntes „Boh“ – manchmal sogar die Sonne.

Die Gesichter à la Mamuthone sind in jedem Bild präsent. Auch leblose Dinge und Gebäude haben Gesichter – Häuser, die eingangs erwähnten Menhire, Leuchttürme, Brunnen …

„Il mondo ci sta guardando“, sagt Paolo Laconi und lächelt dabei. Ja, die Welt sieht uns an. Und wir sehen die Welt neuerdings mit anderen, mit Paolo Laconis Augen und müssen unweigerlich lächeln.

Vielen Dank dafür – Grazie, Paolo!

Ausstellungen

Die nächste Ausstellung von Paolo Laconi ist vom 1. bis 31. August 2013 in der Galerie „Immagini“ in Santa Teresa di Gallura.

Hier eine Galerie mit Ausschnitten der Arbeiten von Paolo Laconi, die ganzen Motive  findet Ihr auf seinem facebook-Album.

Einige der Kunstwerke sind noch zum Kauf erhältlich. Sprecht den Künstler gern direkt an wenn Ihr Interesse an einem Motiv habt, oder wir fragen für Euch nach – eine persönliche Mail an beeeh@pecora-nera.eu genügt.

In unserem Shop findest du kleine Kunstdrucke.

Ausschnitte einiger Arbeiten (Copyright: Paolo Laconi)

Ausschnitte einiger Arbeiten (Copyright: Paolo Laconi)

Alle Rechte beim Künstler / tutti i diritti reservati.

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2 Kommentare auf "Glückliches Sardinien: Wenn Paolo Laconi träumt"

  1. Alex sagt:

    Diese skurrilen Bilder machen wirklich Lust mal wieder nach Sardinien zu kommen. Die Ausstellung in Santa Teresa werden wir aber auf jeden Fall verpassen.

  2. nicole sagt:

    Dann kommt doch einfach so und wir fahren nach Cagliari in sein Atelier 🙂

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