Der sardische Cannonau

Der sardische Cannonau

»Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein.« Einer der weisesten Aussprüche überhaupt. Guten Wein sucht und findet das schwarze Schaf zum Beispiel im Weingut Giuseppe Sedilesu in Mamoiada (www.giuseppesedilesu.com). 

Zum Glück haben wir mittlerweile mit geübter Nase und Zunge gelernt, die liebevoll und gekonnt kultivierten Tropfen, die die Insel hergibt, zu erkennen. Selbst Budgetreisenden kann geholfen werden. Wir empfehlen allen den Gang in die nächstgelegene Weinbar oder Enoteca – lieber für das gleiche Geld eine gute Flasche langsam trinken, als mehrere Flaschen minderer Qualität (wenn man kein reiner Wirkungstrinker ist).

Das schwarze Schaf fragt aber jetzt mal jemanden, der sich wirklich auskennt.

Mamoiada – Traditionen, Gastfreundschaft und Wein

Mamoiada - ideales Weinanbaugebiet im Nuorese

Mamoiada – ideales Weinanbaugebiet im Nuorese

Hier auf ca. 700 Metern über dem Meer, in der »Barbagia di Ollolai«, zwischen den kargen Felsen des Gennargentu und Supramonte, finden wir die Seele Sardiniens. Hier sind die Menschen ausgesprochen stolz, fleißig und tief verwurzelt in ihrer Heimat. Das spiegelt sich in den Ergebnissen ihrer mühe- und liebevollen Arbeit. Mit geschickter Hand und viel Herz und schaffen sie aus den Geschenken der Natur Produkte erstklassiger Qualität.

Das gilt in besonderem für den Weinanbau in der Cantina Giuseppe Sedilesu (einer von fünf Weinbauern des Dorfes).

Die einst kargen und felsigen Böden der Region sind heute perfekt für die Kultivierung starker, guter Trauben wie dem Cannonau. Über lange Zeit zersetzter Granit, Humus und Lehm nähren auf knapp 15 Hektar die Reben des Weingutes.

Und das mit erstaunlichen Ergebnissen. Wir sagen nur: Gambero Rosso. Drei Weingläser für Perda Pintà Jahrgang 2007 und 2009, drei Weingläser für den Mamuthone Jahrgang 2008; 2011 waren der Carnevale und S’Annada unter den Finalisten, 2012 gesellten sich Ballu Tundu und Perda Pintà Sulle Bucce hinzu.

Der Kellermeister der Cantina Giuseppe Sedilesu im Interview

Einer der besten Cannonau der Insel: der Mamuthone

Einer der besten Cannonau der Insel: der Mamuthone

Wir waren neugierig auf die diesjährige Ernte und haben bei Francesco Sedilesu, dem Kellermeister, nachgefragt. Und von ihm Antworten bekommen, die viel darüber verraten, warum die Weine so gut sind, wie sie sind.

pecora nera: Das allgemeine Fazit der Weinernte 2011 auf Sardinien ist positiv: hohe Qualität, weniger Quantität. Wie lief denn Eure Ernte 2011? Seid Ihr zufrieden?

Francesco Sedilesu: Hinter uns liegt ein fast perfektes Jahr, wir sind mit dem Resultat sehr zufrieden. Wie eigentlich immer. Wir haben gelernt, dass unser Schöpfer seine Sache gut macht. Manch ein Makel entpuppt sich als großer Vorteil, wenn man zu warten weiß und den Reifeprozess nicht künstlich beeinflusst.

Hügellandschaft vor Mamoiada

Hügellandschaft vor Mamoiada

Sardinien hat eine sehr schroffe Landschaft mit harten und trockenen Boeden, die doch zu vielem Nutze sind. Nicht zuletzt fuer den Weinanbau, fuer den die Erde auf der Insel ausgesprochen gut ist.

Wir Sarden haben eine sehr schwierige Geschichte und beschweren uns ziemlich oft. Wir sollten lernen, Gott dankbar zu sein, weil er uns dieses wunderbare Fleckchen Erde überlassen hat. Eine solche Haltung gäbe uns viel Hoffnung für das  tägliche Leben und wir könnten in Frieden leben.

Woran erkennt Ihr einen guten Jahrgang? Oder könnt Ihr sagen, welcher Eurer Weine in diesem Jahr besonders gut wird?

Das Verhältnis Quantität zu Qualität ist optimal, was sich sich in einer ausgesprochen hohen Farbanreicherung und exzellenten Aromen ausdrückt.

Was den aktuellen Wein betrifft, kann ich noch nichts sagen. Geduldig warte ich ab, was der jetzige Jahrgang hervorbringt. Ich bin aber davon überzeugt, dass ich auch diesmal vom Ergebnis positiv überrascht sein werde.

Wir sind echte Fans vom Perda Pinta aus der Granazza-Traube. Ist auch diese Ernte schon abgeschlossen?

Eine wahre Perle: der Perda Pintà

Eine wahre Perle: der Perda Pintà

Der Perda Pintà wird auch dieses Mal sicher ausgezeichnet sein, da er nie Schwächen aufweist. Er ist einfach fantastisch und wird in einer wunderbaren Lage angebaut. Das lässt dich als Winzer ruhig schlafen.

Wie aufwändig ist die Ernte dieser Trauben, die auf Eurem Hang ja wild zwischen dem Cannonau wachsen?

Für die diesjährige Lese haben wir zwei ganze Tage benötigt, da man die Weinberge manuell bearbeiten muss, eine Reihe nach der anderen. Aber die Granazza-Rebstöcke stehen wie Du gesagt hast, eben nicht in “Reih und Glied”. Eine Pflanze wächst hier, die andere da…

Während der Lese des Rotweins lassen wir die Reben in Ruhe. Wer sie allerdings angerührt hat, das waren die Wespen. Dieses Jahr waren sie so zahlreich wie noch nie und haben ein Viertel der Ernte vorher vernichtet.

Wieviele Flaschen könnt Ihr davon produzieren?

Dieses Jahr wird es ca. 3.000 Flaschen geben, also weniger als letztes Jahr.

Was habt Ihr im nächsten Jahr vor? Sind besondere Events oder Aktionen geplant?

Wir werden auf der Vinitaly und der Vinnatur ausstellen. Daneben wird es eventuell eine Messe für Bio-Weine in Cagliari geben, die von Vinnatur in Zusammenarbeit mit der Region Sardinien organisiert wird.

Nach dem Winter findet in Mamoiada die Einweihung unserer Cantina statt. Es wird im Frühling viele Veranstaltungen unterschiedlichster Art geben, bei denen wir uns einfach austoben werden.

Apropos Winter – der steht ja quasi vor der Tür. Schneit es eigentlich jedes Jahr? Tut das den Weinreben gut?

Weinreben im Schnee - Foto: Sara Muggittu, Mamoiada

Weinreben im Schnee – Foto: Sara Muggittu, Mamoiada

In Mamoiada schneit es fast jedes Jahr. Die Pflanzen werden dadurch allerdings nicht beschädigt, sondern sie profitieren sogar davon. Denn die Kälte verhindert, dass Schädlinge auf den Reben ueberwintern. So können wir unseren Wein ohne den Einsatz von Insektiziden anbauen.

Und was macht ein Weinbauer so im Winter?

Zu den Arbeiten, die wir während des Winters durchführen zählt die Aussaat von Mischkräutern, die den Boden vitalisieren und die Reben düngen. Außerdem bringen wir auf unseren Weinbergen biodynamische Präparate aus. Das sind mikrobiologische Konzentrate, die den Böden helfen, noch fruchtbarer zu werden.

Zum Frühlingsanfang werden dann die Reben beschnitten und die neuen Rebstöcke veredelt.

Feldarbeit mit Ochsen - Foto: Sara Muggittu, Mamoiada

Feldarbeit mit Ochsen – Foto: Sara Muggittu, Mamoiada

Ihr setzt für die Feldarbeit noch Ochsen ein. Das wirkt fast ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Warum macht ihr das?

Das Pflügen mit Ochsen macht man auch heute noch, denn die alten Weinberge können nicht anders als mit Ochsen gepflügt werden. Solange es diese alten Rebanlagen gibt, werden also Ochsen dort arbeiten.

In diesem Winter haben wir die Gelegenheit, dieses uralte Handwerk vor Fernsehkameras und Journalisten der Tagespresse zu präsentieren.

Gibt es noch irgendeine Geschichte, die mit Euren Weinhängen zu tun hat und die Ihr unseren Lesern erzählen möchtet?

Im Hintergrund des uralten Weinbergs “Sa Uprecada” liegt der Berg “Monte di Gonare”. Die kleine Kapelle, die man auf dem Gipfel sieht, ist der Madonna gewidmet.

Sa Uprecada und Monte di Gonara - Foto: Sara Muggittu, Mamoiada

Sa Uprecada und Monte di Gonare – Foto: Sara Muggittu, Mamoiada

Der Legende nach soll ein Seemann die Kirche an dieser Stelle erbaut haben. Er war in ein Unwetter geraten und hatte die Mutter Gottes angerufen. Ihm erschien der Berggipfel, den er als Fixpunkt nahm und er manövrierte sein Boot aus dem Sturm ans sichere Festland. Er legte ein Gelöbnis ab, der Madonna eine Kirche zu bauen und zu weihen – und hat das auch getan. Obwohl wir im Zentrum Sardiniens sind, kann man den Monte di Gonare tatsächlich vom Meer aus deutlich sehen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für alle Antworten und eure tollen Weine!

Weitere Informationen:

  • Alle Weine werden auf der Webseite www.giuseppesedilesu.com vorgestellt.
  • Die Cantina ist zwischen 8.30 – 13.00 / 14.30 – 17.30 Uhr geöffnet, die Adresse ist: Soc. Agr. Giuseppe Sedilesu & C. S.n.c., Via Vittorio Emanuele II, 64 – 08024 Mamoiada (NU)
  • Einige der hier veröffentlichten Fotografien stammen von Sara Muggittu, Mamoiada. Wir danken der Fotografin und dem Weingut Giuseppe Sedilesu für die freundliche Genehmigung zur Verwendung.

 

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