Silvestro Carboni ist in dem kleinen Dorf Villacidro im Südwesten der Insel ein bekannter Mann. Ein ehrlicher Arbeiter, ein Schmied mit einem feinen Sinn für Kunst und Kultur. Er liebt klassische Musik, sein Haus ist voller Bücher, Gemälde und Fotos.

kunstwerk-dettaglio-terra1936 wurde Silvestro im 15 km entfernten Samassi geboren. Er kam 1952 nach Villacidro, um von den Fratelli Trudu das Schmiedehandwerk zu lernen. Sein Vater, ebenfalls Schmied, war 1923 von dort weggezogen, um in Samassi zu heiraten. Der Sohn blieb nach seiner Ausbildung in „Villa Citra“ (das heißt in etwa: Dorf entlang des Flusses).

Er war sehr talentiert, und arbeitete einige Jahre in einer Sehweiß- und Dreherwerkstatt. 1959 begann er das Abenteuer des Selbständigseins. Es lief gut, auch er heiratete und bekam zwei Kinder.

1980 beschlossen die lokalen Handwerker, sich zusammenzuschließen und eine Handwerksmesse zu etablieren – und der Künstler war einer von ihnen.

colonne-della-speranzaNach 40 Jahren als Handwerker stand doch irgendwann der Ruhestand bevor.

Wir schrieben das Jahr 2000, und Silvestro Carboni fühlte, dass er Abschied nehmen und einen Teil von sich selbst gehen lassen musste.

Er beschloss, zu dem Ende seines Arbeitslebens das Sonett von Gabriele D’Annunzio „La Spendula“ in Eisen zu schreiben.

Er schuf sein Meisterstück innerhalb eines Jahres: ein geschmiedetes Kunstwerk, mit dem er die Leidenschaft für sein Handwerk, seiner Fantasie und wichtigen Elementen seines Lebensweges verband.

Auf einem Stück Land etwas außerhalb von Villacidro platzierte der Neu-Rentner das große Werk: eine Art großen, hohen Zaun mit Worten, Sätzen und Bildern, rund um einen schönen Garten.

 

Als es fertig war, hatte Silvestro Carboni Lust, weiter zu machen. Also ergänzte er den Zaun um einen Auszug aus dem Roman „Un pezzo di luna“ (Ein Stück vom Mond) von Giuseppe Dessi – einem bekannten Schriftsteller aus Villacidro. Ein Jahr später folgte dann etwas von Efisio Cadoni. Der Abschnitt „Primavera dicembrina“ ist Prof. Dino Marchionni gewidmet, einem Maler und Lehrer des Ortes.

Im Jahr 2003 musste Carboni ins Krankenhaus und er versprach den Ärzten, wenn sie es schafften, sein Leben zu retten, würde er ein Lob zu ihrer Arbeit in Eisen verewigen. „Le Colonne della Speranza“ (Die Säulen der Hoffnung) nannte er diesen Abschnitt, den er nach seiner Genesung der Kunst der Medizin und der Chirurgie widmete.

Natürlich ist auch ein Gedicht in sardischer Sprache und Eisen zu sehen. Hier und da finden sich zudem Hinweise auf den Radsport – das liegt daran, dass Carboni ab 1974 für 15 Jahre Präsident des Radsportverbandes Villacidro war.

Ja, Silvestro Carboni war ein vielseitig interessierter Mann.

2004 dann erneut eine musikalische Reise: Der Schmiedekünstler schrieb sich an der Musikschule ein und lernte, das Euphonium, ein Blechblasinstrument ähnlich einer Trompete oder einem Horn, zu spielen. Er lernte die „Vier Jahreszeiten“ und verarbeitete die Abschnitte „Primavera / Frühling, Estate / Sommer, Autunno / Herbst und Inverno / Winter in seinem Kunstwerk aus Eisen.

Er gestaltete noch selbst seine Grabinschrift – eines seiner schönsten Werke – und widmete dann den Eingang über dem Tor zur Straße nach Samassi der Musikschule Santa Cecilia.

Eines schönen Tages hielt vor dem Kunstwerk ein Bus mit einigen Touristen, unter ihnen ein Priester, der fragte, warum es keine religiösen Elemente gäbe. Carboni erwiderte, dass er daran einfach nicht gedacht hätte, und reproduzierte eine Postkarte, die er zufällig fand und die ein Gebet von Mutter Teresa zeigte.

Warum aber nun das alles? „Ich hoffe, dass meine Arbeiten andere Handwerker inspirieren, etwas Schönes zu tun und dass auch sie ihren eigenen Weg in diesem kleinen Winkel der Erde gehen“, sagt der Künstler. Denn von vielen, die gut arbeiten, fehle am Ende jede Spur ihres Weges – Schuhmacher, Klempner, Sattler, Büchsenmacher, Schlosser – die Berufe sterben aus. Er wollte einen Anreiz schaffen, dass jeder etwas aus seiner Kunst für die Allgemeinheit tun könnte.

Heute ist das Kunstwerk fertig, und um Silvestro Carboni ist es ruhig geworden, er liest viel und spielt Musik. Aber er weiß immer noch andere mit seiner Phantasie und Leidenschaft für schöne Dinge zu begeistern.

Quelle: Artikel in italienischer Sprache auf villacidro.info

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