Sant’Antoni de Su Fogu – Sant’Antoni de su Ohu – Sant’Antoni de Su O’u – Falò di Sant’Antonio – Festa dei Fuochi … schon sprachlich gibt es für die Feuer von Sant’Antonio feine Unterschiede, je nach Ort und Region.

Inselweit (und genau genommen sogar in weiten Teilen Südeuropas) lebt der Brauch, Mitte Januar zu Ehren des Heiligen San Antonio Abate Feuer zu entzünden.

Auf Sardinien finden sich viele kleine und große Orte, in denen wird Holz zusammengetragen und zu großen Haufen getürmt werden, genannt: Sas Tuvas, Sas Frascas, Sos Focos, Su Fogarone, Su Romasinu oder Su Foghidoni.

"Su Fogu" - das Feuer von Sant'Antonio

“Su Fogu” – das Feuer von Sant’Antonio

Manchmal siehst du die Feuer auch bei Ställen, Höfen, bei Weinbauern oder auf privaten Ländereien.

Denn Antonio ist der Schutzpatron der Landwirte und Tiere. Feuer und Rauch sollen das Böse abwehren und waren in früheren Zeiten ein gutes Mittel gegen Krankheiten.

Riten und Rituale

Das Fest verbindet den Glauben der Bevölkerung mit den traditionellen, überlieferten Riten der einzelnen Regionen.

In den Kirchen wird am 16. von dem heilig gesprochenen Mönch Segen für Mensch und Tier erbeten, der Tag wird »Sa Die de su Pesperu« genannt. Der religiöse Aspekt wird auf Sardinien allerdings nicht vordergründig, sondern zurückhaltend im Stillen zelebriert.

Denn kirchlich wirkt das Fest auf den Außenstehenden nicht. Die dörflichen Traditionen rund um das Feuer beherrschen die Szenerie. Mag auch an dem vielen Wein liegen, der durch die Kehlen fließt.

Sant'Antonio: überall auf Sardinien werden Feuer entfacht

Sant’Antonio: überall auf Sardinien werden Feuer entfacht

In vielen Orten backen die Frauen jetzt besonderes Gebäck. »Sas Cascheddas« aus Mamoiada zum Beispiel sind kleine Kunstwerke aus Mürbeteig und Honig, liebevoll in vielen Stunden von Hand gearbeitet. Die süßen Geschenke werden auf den Plätzen um die Kirchen Feuer herum an alle verteilt. Dem folgt oft ein kleiner Becher Wein.

Die Feuer waren historisch gesehen eine ganz praktische Hilfe, Krankheiten einzudämmen, wärmende Inseln in der kalten Jahreszeit zu bieten, und Platz für Neues zu schaffen. Gleichwohl sind sie auch ein Symbol für das Austreiben des Winters.

Vor allem aber markiert das Feuer von Sant’Antonio auch den Beginn des traditionellen, sardischen Karnevals.

Die Feuer von Sant’Antonio und »Sa Prima Essia«

Beeindruckend ist “Sa Prima Essia” – “das erste Erscheinen” – im Inselinneren, zum Beispiel in Ottana: Hier sieht man die Boes e Merdules durch die Straßen ziehen, die fabelhaften Masken am Feuer sind ein wirklich schönes und authentisches Bild Sardiniens.

Aber auch viele der anderen Dörfer zeigen ihre traditionellen Masken und Figuren.

Mamuthones e Issohadores tanzen um "su fogu"

Mamuthones e Issohadores in Mamoiada

Am urtümlichsten beginnt die Zeit des traditionellen sardischen Karnevals vermutlich in Mamoiada. Hier beobachten Dorfbewohner und Gäste den ersten »Auftritt« der Mamuthones e Issohadores.

Ihr schwerer Glockenschmuck, der bei dem gemeinsamen Tanz ums Feuer einen archaischen, starken und dem Normalreisenden völlig unbekannten Klang ertönen lässt, die dunklen Kostüme und die schwarzen Masken mit verzerrten Gesichtszügen, die im Licht des Feuers kaum von dem Dunkel der Nacht zu unterscheiden sind, die archaischen Laute, die weit durch alle Gassen des Dorfes klingen …

Das lässt keinen unberührt.

Und mancher, der das zum ersten Mal erlebt, kann es kaum einordnen. Von ganz weit her scheint der Klang zu kommen und er trifft direkt in die Seele.

Sant’Antonis tiefe Bedeutung

Die Bedeutung dieses Festes  hat Salvatore Cambosu in seinem Werk “Miele Amaro” beschrieben:

»Carrasecare maccu, de peccados unu saccu, d’allegria fattu e margura.

Ieri notte, 16 gennaio, l’allegra catasta bruciò in piazza per tutti.
Oggi, diciassette, come ogni anno e dal tempo dei padri, è tornato il carnevale.

È tornato con i prigionieri muti: vecchi prigionieri muti, vecchi cattivi vestiti alla rovescia, con la cintura di campanacci e la collana di sonagli. Dura, di duro legno o di sughero è la loro maschera di lutto. Camminano a passo di bue aggiogato e sotto peso; scuotono a colpi di spalla le loro sonagliere, ora con questa ora e lo squillo è uno solo.

Dice la sonagliera: «È finita, è finita».

Dure, giovani guardie li circondano, che solo di tanto in tanto prendono al laccio l’amata o gli amici che guardano dai margini della strada il triste armento che passa.«

Der erste Satz in Sardisch bedeutet etwa (sehr holprig übersetzt): Verrückter Karneval, ein Haufen Sünden, ununterbrochene Freude und Wehmut …

Su fogu! Wein fehlt nie auf sardischen Festen!

Der weitere Text aus “Miele Amaro” (Bitterer Honig) spricht von der Ausgelassenheit, die auf dem Platz herausbricht; von dem Karneval, der mit den “alten stummen Gefangenen” mit ihren Masken aus leidenden Gesichtern wiedergekommen ist; von den Feuern, um die die Mamuthones im Takt des Schrittes von Ochsen unter einem schweren Joch tanzen; von den vielen lauten Glocken, die wie ein einziger Ton durch die Straßen klingen; von den Wächtern, den Issohadores, die sie umgeben und die mit ihrem Lasso die Geliebten und Freunde fangen, während die traurige Herde weiter zieht …

Tatsächlich verbindet sich die spürbare Freude des Festes mit einer tief verwurzelten Melancholie Sardiniens. Emotionen so dicht und stark, wie du sie vielleicht lang nicht gespürt hast. Selbst wenn du nur kurz hineinspähst.

Für jeden Besucher eine Reise in längst vergessene Zeiten und die Tiefen der sardischen Seele.

Reisetipps und Infos für die Feuer von Sant’Antonio

Die Feuer brennen vom 16. über den 17. Januar, dort bis in die tiefe Nacht, manche wärmen noch am 18. Seele und Körper. Wenn du also ganz eintauchen willst, dann sind das ideale Reisedaten für den Januar.

» Hier ein paar Termine, Orte und »Überlebenstipps« für Sant’Antonio vom schwarzen Schaf.

Mamuthone vor dem Feuer in Mamoiada

Mamuthone vor dem Feuer in Mamoiada

» Hier findest du Ideen, erlebenswerte Orte und »Überlebenstipps« vom schwarzen Schaf 

Lohnenswert ist, wenn du bereits die Vestizione / das rituelle Ankleiden ansiehst. In Mamoiada folge dann einer Gruppe Mamuthones durch das Dorf. In Ottana ist der Umzug spontan – an jeder Ecke können dir Boes und Merdules begegnen.

Bleibe auf jeden Fall bis zum 18.: Die Stimmung am nächsten Morgen, wenn der rauchige, whiskyähnliche Geruch von verbranntem Holz über dem Dorf liegt, ist einmalig.

Dann vertiefe das Kennenlernen der Region und reise ein bisschen in der kargen winterlichen Landschaft umher.

Die Tage im Januar sind oft schön und die Einheimischen geben dir gern Tipps, was du ansehen könntest. Vielleicht finden auch vor oder nach Sant’Antonio spezielle Exkursionen und Wanderungen statt, das jeweilige »Pro Loco« ist die richtige Anlaufstelle.

Bei schlechtem Wetter locken die Museen, wie das ethnische Museum und das Maskenmuseum in Mamoiada – beide klein, aber fein – oder aber das MAN in Nuoro und das Museo Nivola in Orani.

Feuer inselweit 

Passendes im Schwarzschaf-Reiseshop

1 Comment

  1. Béatrice Marti

    8. Januar 2015 at 12:34

    Vielen Dank für diesen wiederum sehr informativen und mit Genuss zu lesenden Artikel.
    Ein weiterer journalistischer Leckerbissen mit Gehalt, der so leichtfüssig daher kommt.
    Wie ein reichhaltiges Gourmetmenu, bei der jeder Bissen auf der Zunge vergeht und man danach gesättigt, zufrieden und voller neuer Energie ist!
    Ich freue mich auf viele weitere, bei denen ich gleichzeitig mein Wissen über die Insel erweitern kann, auf der ich seit einem Jahr lebe.
    Herzliche Grüsse aus Milis

    Reply

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