Vor den Küsten Sardiniens befindet sich eine Welt unter Wasser. Mit Bewohnern, die nur ganz selten auftauchen und in unsere Welt spähen. Wale, Delfine, Mondfische, Meeresschildkröten.

Moment mal, Wale? Vor Sardinien? So manch einer mag sich wundern und die Meeresriesen eher in den großen Ozeanen vermuten.

Doch, wirklich: Ganz nah und vielen Landbewohnern unbekannt ist der Canyon di Caprera die Heimat von Finnwalen, Schnabelwalen, Delfinen, Tümmlern und anderen großen Arten.

Ein Wal im Canyon di Caprera (Foto: Orso Diving)

Ein Wal im Canyon di Caprera (Foto: Orso Diving)

Das schwarze Schaf hat sich mit den Jungs von Orso Diving, Poltu Quatu aufgemacht, um Delfine und mit etwas Glück auch Wale in ihrem natürlichen Habitat zu erleben.

Sommer: Zeit für Wale, Delfine und määähr Meer

Der Canyon di Caprera beginnt etwa 20 Seemeilen östlich des Maddalena-Archipels und erreicht eine Tiefe von über 1.000 Metern. Da ist viel Platz in alle Richtungen.

Die Tiere kommen regelmäßig an die Oberfläche, um zu atmen und zu fressen. Sie folgen ihrem Futter und das beantwortet schon fast die Frage nach dem besten Zeitpunkt für eine solche Tour: Whale Watching vor Sardinien ist eine ideale Sommer-Aktivität.

Wale vor Sardinien - ein wirklich tolles Erlebnis! (Foto: Orso Diving)

Wale vor Sardinien – ein wirklich tolles Erlebnis! (Foto: Orso Diving)

Denn zu Beginn des Jahres, wenn das Wasser noch kühl ist, sind die Tiere noch im wärmeren, östlichen Mittelmeer. Erst zur Jahresmitte, etwa ab Mai kommen sie in den westlichen Teil, in dem Sardinien liegt. Sie bleiben den ganzen Sommer über in dem großen Gebiet das sich von Sardinien über Korsika bis Genua erstreckt und auch als Walschutzgebiet ausgewiesen ist (siehe weiter unten).

Im Sommer fühlen sich Wale hier außerordentlich wohl und finden ausreichend Nahrung – von Plankton bis zu  Schwärmen von Segelquallen.

Wenn Wind und Strömung Millionen dieser Kleinlebewesen in den Canyon spülen, kommen die Tiere nah an die Wasseroberfläche und fressen sich satt. Wo kleine Lebewesen sind, da sind auch größere – so dass auch Delfine und Tümmler, die sich vorwiegend von Fisch ernähren, Futter finden.

Whale Watching Tour im Canyon di Caprera

Was man braucht, um sie zu erleben, sind: ein Boot, um etwa 20 Seemeilen hinauszufahren, eine ruhige See, einen Kenner des Gebietes und des Verhaltens der Tiere – und Glück.

Bevor wir welche sehen, fischen wir erstmal etwas Müll aus dem Meer. Eine alte Boje, etwas Plastik und die Reste der Utensilien eines Fischers, mit einer ewig langen Leine, in der sich Schildkröte, Delfin und die anderen leicht verfangen könnten. Whalewatching vor Sardinien ist auch Meeresschutz. Sehr hübsch die muschelartigen Wesen, die am Müll kleben.

Zum Schutz der Tiere holen wir auch etwas Müll aus dem Meer - an den sich muschlige Bewohner geheftet haben

Zum Schutz der Tiere holen wir auch etwas Müll aus dem Meer – an den sich muschlige Bewohner geheftet haben

Die größeren Meeresbewohner sieht man am besten an ganz ruhigen Tagen, nach windreicheren Phasen. Ist es warm, kannst du sogar im weiten Blau schwimmen oder tauchen – in Gesellschaft von Meeresschildkröten oder Mondfischen!

Ruhige Tage sind zudem sehr angenehm, wenn nicht allzu viel Wellengang dich durchschüttelt. Es soll ja auch nicht-seefeste Gemüter unter Sardinienurlaubern geben … 😉

Wir sichten heute als erstes eine Meeresschildkröte / caretta caretta. Um sie zu sehen, muss das Meer wirklich sehr platt sein. Denn ihre Nasen ragen selten über kleine Wellen hinaus und die Musterung des Schildes verliert sich je nach Licht in der des Wassers.

Meeresschildkröte / caretta caretta im ölglatten Wasser

Meeresschildkröte / caretta caretta im fast ölglatten Wasser

Es ist wirklich wundervoll, die Tiere in Freiheit und der Weite des Meeres zu sehen und nicht hinter Glasscheiben.

Der gemeine Delfin: vom Aussterben bedroht

Auf unserem Weg Richtung Süden passiert dann auch eine kleine Sensation. Nein, kein Wal kreuzt unseren Weg, sondern eine Schule von etwa 10-12 Delfinen, die mit dem Boot spielen. Bei etwa 6 Knoten haben wir die gleiche Geschwindigkeit und die Tiere schwimmen und springen nah am Bug.

Warum Sensation? Der gemeine Delfin / delfino comune steht auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht. Nur ganz wenige Tiere leben im Mittelmeer – und wir sehen heute gleich so viele, die auch alle bei bester Gesundheit zu sein scheinen. Dem mitgereisten Meeresbiologen und Forscher steht die Freude ins Gesicht geschrieben!

Der gemeine Delfin / delfino comune

Der gemeine Delfin / delfino spielt mit unserem Boot!

Danach sehen wir keine weiteren Tiere. Doch Ende Mai, in einer weiteren Exkursion tauchen die ersten Wale auf – und dann gleich um die zehn Tiere!

Bilder von dieser tollen Fahrt findest du in diesem Album von Whale Watching Sardinia, der Facebook-Seite von Orso Diving. Dort werden übrigens auch jeweils kurzfristig nach Wetter- und Wellensituation die nächsten Termine bekannt gegeben, ebenso auf der Webseite der Tauchbasis.

Das Walschutzgebiet im Mittelmeer

Der Canyon di Caprera gehört zu einem großen Walschutzgebiet (Santuario dei Cetacei) von etwa 100.000 km2 im westlichen Mittelmeer.

Auch im Canyon di Caprera anzutreffen: der Mondfisch / pesce luna (Foto: Orso Diving)

Auch im Canyon di Caprera anzutreffen: der Mondfisch / pesce luna (Foto: Orso Diving)


Der dazugehörige Küstenabschnitt Sardiniens liegt im Süden angrenzend an das Mar di Sardegna und das Ligurische Meer, zwischen Capo Falcone im Nordwesten nahe Stintino, in der Bocche di Bonifacio bis zum Capo Ferro, nördlich von Porto Cervo.

Die Rennstrecke der großen Fähren von und nach Sardinien und Korsika, ist somit auch Heimat der ganz großen Meeresbewohner. Zu ihnen zählen:

  • Balenottera (Finnwal, Balaenoptera physalus)
  • Capodoglio (Pottwal, Physeter macrocephalus)
  • Delfino Comune (Gemeiner Delfin, Delphinus delphis)
  • Globicefalo (Grindwal, Globicephala melas)
  • Zifio (Cuvier-Schnabelwal, Ziphius cavirostris)
  • Grampo (Rundkopfdelfin, Grampus griseus)
  • Stenella Striata (Streifendelfin, Stenella coeruleoalba)
  • Tursiope (Großer Tümmler, Tursiops truncatus)

(Quelle: http://www.santuariodeicetacei.com/whales.nsf/ItalianHome)

Santuario dei cetacei

Quellen und weitere Informationen:

  • Santuario dei Cetacei – über das Walschutzgebiet im Mittelmeer (in italienischer Sprache)
  • Sardegna Nord Cetacei – Initiative zur Zählung der Meeressäuger (Blog in italienischer Sprache)
  • Der Verein SeaMe aus La Maddalena forscht und informiert und bringt die Tiere auch den Kindern der Sarden näher
  • Orso Diving, Poltu Quatu – organisiert spannende Tauchausflüge und -kurse an der Nordküste Sardiniens, im Maddalena-Archipel (deutschsprachige Guides und Tauchlehrer) und regelmäßig Ausflüge mit dem Schnellboot in den Canyon di Caprera.

Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht April 2014, überarbeitet im Mai 2017.

3 Comments

  1. Marco Alani

    3. Mai 2014 at 20:28

    Hallo Nicole,

    wurde nicht vor Kurzem auch ein Elefantenhai gesichtet und gefangen ?

    Reply
  2. OnlySardinia

    20. Mai 2014 at 19:23

    Sehr interessante post, Ein Kompliment für die Artikel über Sardinien.

    Reply

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