Morgenbad! Wir haben Ende Juni und das Meer ist noch etwas kühl. Unsere kleine Crew ist nach einer windstarken, ankerwachen Nacht etwas gerädert aufgewacht. Unser heutiges Ziel: die berühmte Cala di Volpe an der Costa Smeralda.

Heute morgen – wir liegen vor dem Isolotto Figarolo bei Golfo Aranci vor Anker – ist es noch schön ruhig, kein anderes Boot da. Ich muss einfach in dieses spiegelglatte Traumtürkiswasser springen! Der Oberhammer!

Türkiswasser vor Isolotto Figarolo

Türkiswasser vor Isolotto Figarolo

Von Land aus gucken vier Spaziergänger interessiert zu und falls sie das denken: Ja, so ein Bootsurlaub* ist wirklich toll.

Wir setzen Segel, der Wind ist immer noch kräftig. Die Costa Smeralda ruft, genauer: die langgezogene Bucht Cala di Volpe, in der das gleichnamige Luxushotel liegt – eine der exklusivsten Herbergen der ganzen Insel.

Und: Hier im Türkiswasser ist der bevorzugte Ankerplatz der Reichen und Schönen.

Die Al Mirqab gehört dem Scheich, dem auch das Consorzio Costa Smeralda gehört

Die Al Mirqab gehört dem Scheich, dem auch das Consorzio Costa Smeralda gehört

Die Anfahrt übr das Meer ist noch ruhig, ab was wir vor Ort sehen, haut uns spontan erstmal von den Socken. Wir zählen auf Anhieb mindestens 58 (!) Boote, einige davon sehr groß …

In prima fila / erster Reihe liegt die „AL MIRQAB“ – mit 133 Metern steht sie aktuell auf Platz 13 der Liste der längsten Motoryachten.

Sie gehört Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, dem Emir von Qatar, der wiederum der Drahtzieher des Konsortiums Costa Smeralda ist.

Wir fahren dicht vorbei und staunen. Und dann gleich noch einmal, denn direkt daneben liegt die 163 Meter lange „Eclipse“ von Roman Abramowitsch – bis vor kurzem die längste Privatyacht der Welt. Übertrumpft wurde sie von der 2015 in Fahrt gestellten „Azzam“ mit 180 Metern, die einem saudischen Investor gehört.

Die „Dilbar“ des Oligarchen Usmanov liegt schon seit einigen Wochen um die Ecke im Grande Pevero – das Schiff ist quasi ein Dauergast vor der Insel.

Ja, genau: vor. Denn auf die Insel, geschweige denn ins echte Sardinien wagt sich von Yachtbesitzern und -bewohnern nur ein Bruchteil.

Ihr VIP-Urlaub sei ihnen ja gegönnt. Aber wenn einer behauptet, er täte Sardinien und seinen Einwohnern mit seinem vielen Geld einen Gefallen: Nein. Tut ihr nicht. Eine Tankfüllung für so einen Kahn kostet gern mal eine halbe Million – ihr tankt ja aber nicht in Nuoro oder in einem Dorf im Sulcis und wohnen wohnt ihr auch nicht bei unterstützenswerten sardischen Gastgebern irgendwo im Hinterland.

Aber: Kein Vorwurf, damit seid ihr nicht allein, denn das tun auch viele „Normalos“ nicht. Nur das Argument Geld ist in dem Fall einfach keins, weil alle Festlandinvestoren und Großversorger profitieren – nur eben nicht die Orte, die den kulturellen und menschlichen Reichtum Sardiniens ausmachen und dafür eine kleine oder auch große Gegenleistung mehr als verdient hätten.

Die futuristische Yacht A - ebenfalls in der Cala di Volpe

Ist es überhaupt ein Schiff? Die futuristische Yacht „A“ liegt ebenfalls oft in der Cala di Volpe

Dann passieren wir die „A“ – ein Schiff, das gar nicht wie eines aussieht. Besitzer: der russische Milliardär Melnitschenko.

Im Sommer 2017 wird auch endlich sein zweites Schiff die größte Segelyacht der Welt, die „SY A“ an der Costa Smeralda erwartet. Länge über alles: 143 Meter. Breite: knapp 25 Meter. Höhe der Masten: ca. 90 Meter. Tiefgang: 8 Meter.

Ein Kuriosum: Das in Kiel gebaute Schiff drohte anfangs in der Ostsee hängen zu bleiben. Denn die Masten waren zu hoch für die Große Belt Brücke und das Schiff durfte bestimmte Routen wegen möglicher Behinderung des Flugverkehrs in Dänemark nicht nutzen. Einziger Weg hinaus ins offene Meer war der Drogden Sund – dessen Rinne mit ca. acht Metern so ziemlich genau dem Tiefgang des Schiffes entsprach. Aber, Kleinigkeiten – und am Ende hat’s ja geklappt!

Im Mai wagte die SY A erste Schwimmversuche in der Cala di Volpe – vermutlich um zu schauen, wo der Koloss überhaupt entlang schippern oder ankern kann.

Erste Schwimmversuche an der Costa Smeralda im Mai: SY A

Erste Schwimmversuche an der Costa Smeralda im Mai 2017: SY A (Foto: D. Sanna)

Also, los zum großen Megayachten-Raten! Wie heißt welches Schiff und wer hat den, äh, die längste? Welche Yachten gerade vor Sardinien unterwegs sind, verrät euch die Seite www.marinetraffic.com. Die größten mit AIS ausgerüsteten Schiffe sind dort (mit etwas Zeitverzögerung) verzeichnet.

Wir mischen uns mit unserem kleinen 9-Meter-Segelboot unters Yachtvolk. Ehrfurcht? Pustekuchen!

Wir ankern in direkter Nachbarschaft der Riesen und fühlen uns pudelwohl! Das ist wie mit einem VW Käfer neben einem Bentley oder Jaguar F-Type parken. Da muss sich keiner verstecken, es ist einfach ein ganz anderes Prinzip und nicht vergleichbar. Vermutlich beides schön.

Schiffe in der Cala di Volpe

Schiffe in der Cala di Volpe

Und auch als die einen vom Yacht-Lieferdienst ihr Mittagessen bekommen und die anderen per Tender ins Cala di Volpe gefahren werden.

Wir sind uns ganz sicher, dass das in dem einen Motorboot Kevin Costner war, der da zu uns rüber gelächelt, unseren gemütlichen Topf Malloreddu al Tonno e Olive aus Plastikschüsseln beäugt, gewunken und den Daumen nach oben gezeigt hat.

Ja genau, Leben ist nämlich ganz einfach und muss auch gar nicht sooo teuer sein!

Das, was allerdings im Sommer massiv an der Cala di Volpe stört, ist der Verkehr. Die Bucht ist mehr oder weniger eine türkisfarbene Schiffsraststätte, wie an der Autobahn. Andauert kommt jemand an, fährt jemand weg.

Hier wird irgendwer wichtiges von der hoteleigenen Strandbucht abgeholt, da wird eine ganze Familie samt Geraffel hingebracht, und das im Viertelstundentakt. Hier kommt ein neuer Plastikmotoryachtjoghurtbecher und ankert, da legt einer ab.

Dann düst ein Jetski vorbei (der Trend geht übrigens zum Viert- und Fünft-Jetski…). Natürlich dreht jedes kurzschwanzige Crewmitglied den Motor noch extra auf …

Andauernd schütteln Wellen unser kleines Boot am Anker durch, die Potenzschleudern stören mit immensem Motorenlärm die Idylle.

Das Luxushotel Cala di Volpe

Das Luxushotel Cala di Volpe

Die dicken Schiffe interessiert das nicht. Kleine Boote haben Not, dass alles stehen und in den Fächern bleibt.

Wir sind uns schnell einig: Es ist schon hübsch hier, und wir kommen wohl auch noch mal wieder – aber in der Nebensaison, wenn hier nicht so viel los ist!

Und so richtig überzeugt der Hotspot auch aus anderen Gründen nicht: Wir haben im Revier weiter nördlich tatsächlich schon hübschere Plätze gesehen. Das Wasser ist hier gar nicht so türkis,wie anderswo.

Wir würden jede Bucht im Arcipelago di La Maddalena vorziehen. Und das Isolotto Figarolo heute morgen war auch deutlich traumhafter.

Türkiswasser mit Fischen in einer Bucht bei Capriccioli

Türkiswasser mit Fischen in einer Bucht bei Capriccioli

Aber noch sind wir hier, und es gibt viel zu gucken, das Fernglas Modell „Superspanner“ leistet heute gute Dienste.

Leider nichts skandalöses, bild- oder galataugliches, aber wir stellen fest: Schon auf den kleinen Motoryachten ist Hackfresse Pflicht. Man darf auf keinen Fall zu fröhlich oder glücklich wirken – wie ordinär!

Neinnein, die ältere Dame von Welt schaut möglichst genervt, und kommandiert die Crew herum. Der alte Geldsack hält seinen Wohlstandsbauch fett in die Sonne, während die schlanken Gespielinnen sich – immer auf perfekte Erscheinung und Lage zur Sonne achtend – an Deck räkeln.

Auch die Gala spare ich mir diese Woche. Gerade fährt nämlich Flavio Briatore in einem hübschen schnittigen Van Dam Motorboot (vermutlich der Tender zu seiner Yacht) vorbei und die Küste entlang.

Wir wenden uns wieder dem normalen Leben zu. Und das ist hier nicht möglich.

Zwei Möwen in Türkiswasser

Zwei Möwen in Türkiswasser

Zwei Möwen schwimmen in der Nähe unseres Bootes. Wir wollen ihnen etwas alt gewordenes Brot zuwerfen – aber die Fische rund um unser Boot sind schneller! Sie springen rasant und geübt aus dem Wasser und schnappen den Vögeln ihr Futter weg. Sehr lustig!

Gegen 14 Uhr finden wir, genug gesehen zu haben, setzen die Segel und machen uns auf den Weg in ruhigere Gewässer.

Wer Lust hat, sich das Spektakel einmal selbst anzutun, findet in den Hafenorten der Costa Smeralda einige Möglichkeiten, vom gemieteten Schlauchboot über Mitsegel-Angebote und Tagesausflüge bis zum Charterboot.

* Türkistraum-Alternativen rund um Sardinien

Einmal gesehen haben, ist fein. Auch das Revier ist wunderschön, ohne Frage. Doch wenn euch der Heckmeck an der Costa Smeralda und die Hafengebühren zu viel werden, empfiehlt das schwarze Schaf: Segelt auch vor anderen Küsten – gerade in der Hauptsaison habt ihr dann viel mehr vom Segeln. Hier findest du weitere Infos zu Revieren, Häfen und Ankerbuchten.

Kleiner Tipp: Wer nicht wirklich viel auf der Naht hat, findet als Mitsegler auf Sardinien in „Hand-gegen-Koje“-Börsen (also: Mithelfen an Bord gegen einen Schlafplatz und geteilte laufende Kosten / Beitrag in die Bordkasse) oft gute Angebote, auch für 3- oder 4-Tagestörns.

Wer gern chartern möchte und Unterstützung bei der Törnplanung braucht, der kann das schwarze Schaf gern fragen. Gegen ein kleines Honorar hilft es gern bei der Vorbereitung (auch für mehrere Boote) und Kommunikation mit den Häfen.

(Anm. der Redaktion: Die Bootsreise des schwarzen Schafs fand bereits 2016 statt.)

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