Wenn zwei großartige Dörfer im Herzen Sardiniens am gleichen Wochenende den »Autunno in Barbagia« feiern, fällt es manch einem schon schwer sich zu entscheiden. Denn jedes hat seine ganz eigenen wertvollen Spezialitäten, Kulturen und Traditionen.

Aber warum sich eigentlich entscheiden? Das ist gar nicht notwendig! Denn das Fest dauert ja drei Tage und das schwarze Schaf hat die Highlights der beiden Programme zusammengestellt.

Desulo: La montagna produce

desuloDesulo liegt an einem Hang westlich der beiden höchsten Berggipfel des Gennargentu, Punta Lamarmora und Bruncu Spina. Drei historische Stadt- bzw. Dorfteile bilden das langgezogene Dorf: Issiria, Ovolaccio und Asuai.

Die Nähe zu den Bergen hat denn auch das Motto des diesjährigen barbaricinischen Herbstes begründet: La montagna produce / Die Berge produzieren.

Der Reichtum der lokalen Produkte steht im Vordergrund. Denn wer im Herbst auf die Berge blickt, sieht vor allem eins: karge Landschaften. Die Vielfalt und Biodiversität erschließt sich dem Betrachter erst bei genauem Hinsehen.

Hier einige beispielhafte Highlights (Programm aus dem Jahr 2013, als das schwarze Schaf diese Reise machte, aber in jedem Jahr gibt es ähnliche Angebote):

  • Der Kurzfilm Tiu Boreddu. Ammentos Muntagninos wird im Istituto alberghiero gezeigt, und anschließend die Frage »Warum sollte man heutzutage noch in den Bergen leben?« besprochen – in italienischer Sprache natürlich, aber solche Events sind auch, wenn man nicht alles versteht, immer wert vorbei zu schauen. Man schnappt auch ein wenig Sardisch auf, das erweitert auf jeden Fall den Horizont.
  • Coro Montanaru und Coro Padentes: Die beiden Männerchöre stellen sich im Ortsteil Asuai vor. Ein sehr beeindruckendes Begleitprogramm, während man selbst durch die Gassen zieht und die verschiedenen Ausstellungen besucht und Spezialitäten probiert.
  • Im historischen Zentrum von Asuai kann man am Sonntag eine Reise in die Vergangenheit unternehmen. »A perra de ‘enna« heißt der Pfad, der durch verschiedene Ausstellungen zur Biodiversität und Kultur der Region führt.
  • Die farbenfrohen traditionellen Trachten der Frauen Desulos kann man ebenfalls am Sonntag bestaunen, wenn sie durch die Straßen des Dorfes gehen (Achtung, gesperrte Straßen, falls du einfach nur durch willst, wird das kompliziert!) außerdem werden die Masken des Nachbardorfes gezeigt: Urthos e Buttudos di Fonni
  • Last but not least wird auch wieder gesungen: Desulo ist Gastgeber einiger Chöre und Folkloregruppen aus ganz Sardinien: Su Tenore Orgolesu, Coro Polifonico Montalbo di Siniscola, Coro Polifonico Montesantu di Baunei, gruppo folk San Gemiliano di Sestu, gruppo folk Villanovatulo, gruppo folk Santa Barbara Gadoni.

Mamoiada: Sas Tappas

Mamoiada nennt seinen Event »Sas Tappas in Mamujada«, im Italienischen fare tappa, das stammt tatsächlich vom spanischen »Tappas«, und bedeutet soviel wie »Kehre ein und iss eine Kleinigkeit«.

Es geht also vor allem um eines: ums das Entdecken der lokalen Spezialitäten, ob nun fester und flüssiger Natur.

Ja, natürlich gibt es am Sonntag auch einen Umzug der Mamuthones e Issohadores zu sehen. Aber was das Dorf in allen Jahreszeiten ausmacht, ist seine Gastfreundschaft.

Mamuthone aus Mamoiada

Mamuthone aus Mamoiada

Das schwarze Schaf darf Mamoiada ohne Zögern als das gastfreundlichste Dorf Sardiniens bezeichnen – damit lehnt es sich nicht zu weit aus dem Fenster. Die Preise sind moderat, in allen Häusern wird man warm und herzlich empfangen. Es gibt Ausreißer, aber generell muss man schon sehr griesgrämig sein, um sich hier nicht wohlzufühlen.

Schnapp dir eines der Ridotto-Gläser, die mit dem Schriftzug des Autunno in Barbagia bedruckt sind, und dann streife durch die Gassen des Dorfes und lass dir den guten Wein einfüllen. Manche Perle ist darunter (leider auch die ein oder andere Niete – da hilft nur ausprobieren).

Und bitte: Bleibt die Nacht in Mamoiada und fahrt erstmal nirgendwo mehr hin. Es ist zu schön, mit den Leuten bis spät in die Nacht zu feiern.

Highlights aus dem Programm:

  • Die Hauptstraße des Dorfes verwandelt sich in einen itinerario eno-gastronomico mit Wein und lokalen Spezialitäten (die leider ob des großen Ansturms oft schnell ausverkauft sind), mit Kunsthandwerk und Geschichte.
  • Das sardische Brot hatte in diesem Jahr einen besonderen Stellenwert, die Ausstellung »Pane di Sardegna« zeigt Varianten der ganzen Insel.
  • Am Samstag spielen die Kinder eine große Rolle. Sie setzen den alten Brauch »A Sas Animas« (das heißt in etwa »für die Seelen«) fort – dabei bitten sie die Familien des Dorfes um Süßigkeiten und anderen Leckereien. Es erinnert an das Martinssingen, Halloween oder Rummelpott.
  • Samstag nachmittags wird’s niedlich: Die Kleinen werfen sich in die Kostüme der Mamuthones e Issohadores und machen ihren eigenen Umzug durchs Dorf. So sorgt Mamoiada für den Fortbestand seiner Traditionen.
  • Die »Großen« sind am Sonntag an der Reihe: Die Mamuthones und Issohadores vollführen ihren eigenwilligen, beeindruckenden Tanz in den Straßen des Dorfes. Entweder man folgt  einer der beiden Gruppen Atzeni-Boccoi oder ProLoco, oder man stellt sich auf den  zentralen Kirchplatz mit Ridotto und Tappas in der Hand, und horcht wie die großen Glocken (sardisch: sas hàmpaneddhas) durch die Gassen klingen und sich erst entfernen, dann verstummen und wieder näher kommen. Die Protagonisten sind mit erklärtem Ernst bei der Sache. Aber trotzdem aufpassen: Die Issohadores fangen zum Spaß Passanten mit ihrem Lasso ein. Natürlich bringt das Glück!
  • Falls es regnet und man schon alle Tappas durch hat: Mamoiada hat vier Kirchen, die mitmachen, und zwei Museen, die einen Besuch wert sind: das Museo delle Maschere Mediterranee und das Museo di Cultura e Lavoro

Die Barbagia-Route

la-montagna-produce-castagneWir würden empfehlen, zunächst den langen Weg nach Desulo zu fahren – viel weiter kann man fast nicht ins Herz der Insel vordringen, und dann ist das meiste geschafft. So richtig fangen die Feste eh erst abends oder nachmittags an. Aber das ist auch sicher abhängig vom Programm und Geschmack.

  • Der kürzeste Weg nach Desulo ist von der SS 131 bei Nuoro auf der SS 389 Richtung Lanusei.
  • Ihr fahrt diese knapp 20 km bis zur Ausfahrt Fonni.
  • Über die Strada Provinciale SP7, reich an Serpentinen geht es durch eine karge herbstliche Landschaft aus Stein- und Korkeichen und Kastanienbäumen. Man hat hier und da einen Blick auf die Berge.
  • An einer größeren Kreuzung ist der Bruncu Spina ausgeschildert, mit wunderschönen Trekkingpfaden.

Wer die Mittagszeit vielleicht für eine Wanderung nutzen möchte (im Dorf selbst ist dann eh wenig los), ist hier gut aufgehoben, Spätaufsteher fahren weiter nach Desulo. Wer ganz viel Zeit hat und etwas von der wirklich schönen Inselmitte sehen will, nimmt die Route über Sarule, Ovodda und Tiana.

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